Nutzer von Facebook werden jetzt gezwungen Timeline zu benutzen.
Das ganze Leben auf einen Schlag: Wo war ich am 12. April? Was hat mir im Mai 2010 gefallen? Seit wann spiele ich Farmville? Die Facebook - Funktion Timeline
in Deutschland heißt sie Chronik, gibt Antworten auf all diese Fragen.
Meine Freunde, Kommentare, Likes, Profilbilder, wann ich wo wann und
warum war – mein ganzes digitales Leben ist von nun an gebündelt auf
einer Seite zu sehen.
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| Facebook Timeline |
Mein interaktiver Lebenslauf. Jeder kann festlegen wie die Seite für andere User aussehen soll. Eine riesige Grafik am oberen Bildschirmrand ist das Herz der neuen Anwendung was abgebildet ist, bleibt jedem selbst überlassen. Ob Hobby, Lieblingsband oder das eigene Auto - erlaubt ist alles außer Werbung oder verbotenen Bildern.
Überlagert wird das
breitformatige Foto vom eigenen Profilbild, darunter finden sich die
wichtigsten Infos wie Beruf, Wohnort, Lebenspartner – sofern man diese
Daten im Profil angegeben hat. Dann folgen zwei Spalten mit Posts, die
Fotos, Kommentare, Videos oder besuchte Orte anzeigen. Hier kann bis zum
Eintritt in das soziale Netzwerk zurückgescrollt werden, wer ein
Geburtsdatum angegeben hat, sogar bis zur eigenen Geburt.
Und
es geht noch weiter: Auch die Zeit vor Facebook kann jetzt umfangreich
ergänzt werden. Wichtige Lebensstationen lassen sich mit wenigen
Mausklicks einfügen, sei es die Hochzeit, das neue Haustier oder der
Eintritt in die Grundschule. Jedes dieser Ereignisse kann zudem mit
einem Foto versehen werden.
Praktisch und beängstigend
Gesteuert wird die
virtuelle Zeitreise über eine Leiste am rechten Bildschirmrand. Will ich
wissen, wie das kleine italienische Hafenstädtchen aus dem letzten
Sommerurlaub hieß, finde ich zwei Klicks weiter die Antwort. Und sehe
gleich, wer den Eintrag 'geliked' oder kommentiert hat. Das ist
praktisch. Aber auch irgendwie beängstigend. Denn soll jeder in
Sekundenbruchteilen wissen, wo ich meinen letzten Urlaub verbracht habe?
Wer die Frage verneint, sollte sich ausreichend Zeit nehmen und die
eigene Chronik auf Herz und Nieren prüfen. Wer darf was sehen? Alte
Einträge von 2006 können witzig sein, doch möglicherweise ist es besser,
wenn sie im digitalen Datensumpf bleiben. Es mag mühsam sein, jeden
Post durchzugehen – doch nur dann folgen keine bösen Überraschungen.
Aber
nicht nur alte Mitteilungen werden plötzlich wieder sichtbar, auch das
aktuelle Konsumverhalten gerät zunehmend in den Fokus. Der Grund:
Facebook stellt externen Entwicklern eine Schnittstelle namens "Open
Graph" zur Verfügung. Nutze ich Social Apps wie den Videodienst Netflix
oder den Social Reader des "Wall Street Journals", wird jeder gelesene
Artikel, jede angesehene TV-Folge in meine Chronik übertragen. Zudem
wird diese Aktivität im Newsfeed sichtbar, sodass meine Freunde und
Bekannte sehen können, welchen Text oder welche Serie ich mir gerade
anschaue. "Frictionless Sharing" nennt das Unternehmen dieses Vorgehen,
was soviel bedeutet wie reibungsloses Teilen.
Ich
muss nicht mehr den Share-Button drücken, um etwas zu verbreiten – das
erledigt Facebook jetzt automatisch für mich. Doch ich will nicht, dass
Kollegen und Freunde wissen, was ich mir in der Mittagspause angeschaut
habe. Um das zu vermeiden, muss ich entweder konsequenterweise auf
Social Apps verzichten – oder mir die jeweiligen Einstellungen ganz
genau ansehen.
Auf der Informationsseite informiert Facebook nach Aktivierung der Chronik über die neuen Funktionen.
